Perspektiva eine Chance für Jugendliche | Perspektiva: Zurück zu den Wurzeln mit Neuorientierung
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Perspektiva: Zurück zu den Wurzeln mit Neuorientierung

Bei der Gesellschafterversammlung Perspektiva am Mittwoch am Theresienhof wurde ein Sanierungsplan auf den Weg gebracht, der die Kernkompetenzen des Unternehmernetzwerks wieder in den Fokus rücken soll.

„Wir sind eine Fördergemeinschaft für Arbeit und Leben“, sagt Jan Martin Schwarz, Geschäftsführer Perspektiva gGmbH. In den letzten Jahren seien weiter Wirkungsbereiche hinzugekommen. So hat Perspektiva 2015 die Sozialbetreuung von Gemeinschaftsunterkünfte für Geflüchtete in Petersberg und Pilgerzell übernommen. „Sich in dieser Zeit solidarisch zu zeigen, war wichtig. Jetzt wollen wir uns aber wieder auf unseren ursprünglichen Auftrag konzentrieren und Jugendliche, die es aus eigener Kraft nicht schaffen, in Arbeit bringen.“ Die beiden Gemeinschaftsunterkünfte werden seit dem 1. August 2020 von der Arbeiterwohlfahrt betreut. Durch den Wegfall der Perspektiva-Betreuung ergeben sich auch personelle Veränderungen. Das Engagement im Bereich der Geflüchteten soll verstärkt arbeitsmarktbezogen, etwa im Projekt „Welcome Work“ weitergeführt werden.

Fürs Geschäftsjahr 2020 wird ein Umsatz von rund 1,3 Millionen Euro erwartet. Neben Geld von den Gesellschaftern selbst, einer einmaligen Zahlung von 2.500 Euro für Anteile, bekommt Perspektiva Spenden, außerdem eine staatliche Förderpauschale für die Betreuung der Jugendlichen. Die Förderpauschale macht rund ein Drittel der Einnahmen aus, ein Drittel wird durch Perspektiva-Wirtschaftsaufträge und Maßnahmen erwirtschaft, das restliche Drittel kommt durch Spenden und Gesellschafteranteile zusammen. 2022, spätestens 2023 sollen wieder schwarze Zahlen geschrieben werden. Im Sanierungsplan läuft die Neuausrichtung unter „Perspektiva Klassik“: verstärkte Kooperation mit Schulen und der Arbeitsschule „Startbahn“ von antonius Netzwerk Mensch, Konzentration auf die Ausbildung. Training sozialer Kompetenzen für Azubis und Ausbilder in den Betrieben soll helfen, vorhandene Einschränkungen zu minimieren: „Die Jugendlichen, die früher zu Perspektiva gekommen sind, gehen durch den veränderten Arbeitsmarkt direkt in die Ausbildungsbetriebe, wo sie früher nie eine Stelle bekommen hätten. Dort behalten sie leider ihre Defizite bei, wenn sich nicht aktiv darum gekümmert wird. Wir haben in Deutschland eine Abbrecherquote von mehr als 30 Prozent in der Ausbildung. Sozialkompetenztraining ist deswegen ein wichtiger Baustein unserer Arbeit.“

Die verstärkte Schulkooperation soll vor allem über die Arbeitsschule „Startbahn“ realisiert werden, die ursprünglich aus Perspektiva entstanden war. „Der Ansatz von Perspektiva war immer ‚Einmal Geburtstag feiern, danach kann der Jugendliche schon in den Betrieb‘. Manche schaffen das aber nicht nach einem Jahr: Drei bis maximal fünf Jahre für die berufliche Orientierung in den allgemeinn Arbeitsmarkt, das ist der Ansatz der Startbahn. Es finden aber kaum Startbahn-Jugendliche zu Perspektiva und damit in die Gesellschafter-Betriebe, im Jahr weniger als fünf. Viele hätten aber das Potenzial dazu. Deswegen haben wir die Betreuung der Ausbildungsbetriebe zu Perspektiva gegeben, damit auch Personal und finanzielle Mittel“, erklärt Sebastian Bönisch, Leiter Kommunikation bei antonius Netzwerk Mensch. Weil antonius wichtiger Sozialpartner von Perspektiva ist und vermehrt auch finanziell beteiligt ist, wurde durch Satzungsänderung am Abend ein fester Sitz im Beirat verankert, allerdings für die St. Lioba-Stiftung, die hinter der antonius GmbH steht und an welche die Perspektiva-Geschäftsanteile von antonius übergegangen sind. Um die inzwischen vielfältigen Betätigungsfelder des antonius-Netzwerks besser führen zu können, wird die St. Lioba-Stiftung mehrere Tochtergesellschaften neben der antonius GmbH gründen: „Wir versuchen eine Führungsstruktur zu entwickeln, die der Komplexität unseres Netzwerks gerecht wird. Im Thema Leben und Wohnen werden die Wohngruppen, ambinius und der Zitronenfalter zusammengefasst, im Thema Wachstum Landwirtschaft und Gärtnerei, bei Gastronomie und Service das Klostercafé und das Ladencafé, das antons, die Küche, die Bäckerei. Die Bandbreite und Komplexität der Themen ist sonst zu groß. Wir sind in der Übergangsphase und wollen eine Struktur finden, die auch personenunabhängig ist“, erklärt Geschäftsführer Rainer Sippel, der sein Amt zum 1. Januar 2021 niederlegen wird.

Das Perspektiva-Netzwerk umfasst mittlerweile über 100 Gesellschafter aus der Region, die neben finanzieller Unterstützung auch Ausbildungsplätze für Jugendliche bereitstellen. Am Abend konnten zwölf neue Gesellschafter begrüßt werden. Neben Netzwerkstrukturen in der regionalen Wirtschaft hilft auch die Unterstützung aus der Politik: Sowohl Alois Rhiel, Vorsitzender des Aufsichtsrats der St. Lioba-Stiftung, als auch Bundestagsabgeordneter Michael Brand beschworen am Abend den Perspektiva-Geist. Erst im Juni 2020 war Perspektiva vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales als „Innovatives Netzwerk 2020“ ausgezeichnet worden.

Dieser Artikel erschien erstmals am 02.07.2020 bei Osthessen News – hier geht’s zum Artikel